Wie vor 100 Jahren

© Paolo Pellegrin

 

Der Moment, in dem die Ringer auf die grüne Wiese traten und zu ringen begannen, kam mir vor wie eine Szene von vor 100 Jahren. Ihre Haltung und ihr Aussehen und die Gefühle, die sich in ihren Gesichtern spiegelten, waren für mich jeweils wie ein eigenes Porträt. Auch wurde ich stark beeinflusst vom Klang der 40 Trommler. Nach einer Weile ist man ganz hypnotisiert von diesem Klang und findet sich in einer anderen Welt wieder.

Edirne, früher eine der Hauptstädte des Osmanischen Reiches, ist wie eine Tür, die sich von der Türkei in Richtung Europa öffnet. Von den Traditionen, die bis heute überlebt haben, ist das Kirkpinar-Öl-Ringen das auffälligste. Seit 650 Jahren messen sich Ringer aus allen Teilen der Türkei in Edirne miteinander. Kirkpinar, wo die Wettkämpfe im Öl-Ringen – einer der ältesten Sportarten weltweit – stattfinden, ist wegen seiner beeindruckenden Atmosphäre sehr attraktiv.

Vor und nach dem Ringen verbrachten die Ringer ihre Zeit auf dem grünen Außengelände des Kampfplatzes, das voller Bäume ist. Dieser Platz erinnerte an ein kleines Feldlager, hier wurde den Ringern Beifall geklatscht. An diesem Platz wurde den Siegern gratuliert, während die Verlierer aufgemuntert wurden. Außerdem belebten örtliche Roma, die in Edirne leben, die Atmosphäre mit ihrer Musik. Als die Zeit für das Finale gekommen war, war es, als würde das Leben in Kirkpinar stehenbleiben. Das Publikum hielt den Atem an, während es dem Wettkampf zuschaute.

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