Nur die Wurzeln der Bäume können diese Vergangenheit erreichen

© kathryn cook

Die Provinz Ahlat, in der Nähe des Sees Van in der Osttürkei gelegen, ist ein ganz besonderer Ort. Er trägt die historischen Spuren so vieler Imperien – zum Beispiel des Urartäischen, Assyrischen, Medianischen, Sassanidischen, Mazedonischen, Römischen, Byzantinischen, Seldschukischen und Osmanischen Reiches. Es ist buchstäblich ein Zentrum antiker Zivilisationen. Unter dieser dürren Landschaft liegen viele Schichten Kultur und Geschichte, aber bisher konnten die Ausgrabungen noch nicht sehr tief in die Erde vordringen.

Die Menschen hier leben eng verbunden mit der Geschichte, die sie umgibt. Ich habe Kartoffellager gesehen in Kellern, die mindestens 4.000 Jahre alt sind; Kinder, die sich als Touristenführer auf dem alten babylonischen Friedhof ein paar Groschen dazuverdienen; und Dorfbewohner, die ihre Schafe um alte Schlossmauern herum grasen lassen. All dies entfaltet sich zwischen den Hängen des Berges Nemrut und den  Ufern des berühmten Sees Van, dessen weite Wasser sich bis zum Horizont ausdehnen.

Während der kurzen Zeit, die ich in Ahlat war, fühlte ich mich oft als ob ich in der Zeit zurücktransportiert worden wäre; als würde ich einen flüchtigen Blick darauf erhaschen, wie dieser Ort vor bloßen 1.000 Jahren ausgesehen haben mag. Ständig atmete ich den Duft der Vergangenheit; Friedhöfe, Keller, Gräber, Schlossruinen – ihr Staub und ihre Erde erfüllten die Luft. Während ich umherstreifte, habe ich mich ständig gefragt, wie viele Schichten der Vergangenheit ich wohl gerade gleichzeitig sah.

Eine geheimnisvolle Stimmung durchzieht jede Ecke von Ahlat. Niemand weiß, wie alt die Keller wirklich sind; was die Friedhöfe betrifft, so schätzt man, dass sie vier Ebenen hinabgehen, ihre Geheimnisse werden nie vollständig aufgedeckt werden. Nur die Wurzeln der Bäume über ihnen sind in der Lage, diese Vergangenheit zu erreichen.

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