Jewgeni Chaldej – Kriegsfotograf

Flaggenhissung 2. Mai 1945, Reichstag Berlin

© Jewgeni Chaldej, Flaggenhissung 2. Mai 1945, Reichstag Berlin. Motiv mit retuschierter Uhr und einmontierten Rauchwolken.

Am 2. Mai 1945, morgens gegen sieben Uhr, stieg Jewgeni Chaldej mit einer Leica auf das Dach des Reichstages und schoss ein Foto, das zum Inbegriff des Sieges über das Nazireich werden sollte.

Als der Krieg begann, sprachen alle vom Reichstag. Es war am frühen Morgen des 2. Mai 1945. Ich betrat das Reichtagsgebäude. Überall war schrecklicher Lärm. Ein junger sympathischer Soldat kam auf mich zu. Ich hatte eine rote Fahne in der Hand. Er sagte: ‚Leutnant, dawai, lass uns mit der Fahne aufs Dach klettern.’‚Deswegen bin ich ja hier.’ Wir waren endlich oben. Der Reichstag brannte. Er meinte: ‚Wir wollen auf die Kuppel klettern.’ ‚Nein’, sagte ich, ‚da werden wir geräuchert und verbrennen.’ ‚ Na, dann versuchen wir es hier.’  Wir fanden eine lange Stange. Ich suchte nach Kompositionsmöglichkeiten. Es sollte auch etwas von Berlin zu sehen sein. Ich habe einen ganzen Film verknipst, 36 Bilder, und bin in der Nacht zum 3. Mai nach Moskau geflogen, und das Foto ist sofort veröffentlicht worden.”

Das Foto symbolisiert das Ende des Faschismus, das Ende des Krieges und das Ende Hitlers. Chaldej fotografierte 1945 auch auf der Potsdamer Konferenz und ein Jahr später bei den Nürnberger Prozessen.

Inzwischen gilt der Fotograf Jewgeni Chaldej als einer der bedeutenden russischen Fotografen des 20. Jahrhunderts, nicht nur als Kriegsfotograf. In den neunziger Jahren wurde Jewgeni Chaldej in das “Pantheon der Photographie des 20. Jahrhunderts” aufgenommen, das der bekannte Fotografietheoretiker Klaus Honnef eingerichtet hatte; neben Chaldej gab es darin nur noch einen zweiten russischen Fotografen, Alexander Rodtschenko. Für die herausragende Bedeutung seines fotografischen Werkes sind drei Momente wichtig: erstens der außergewöhnliche Anspruch des Kriegsthemas, das täglich den Einsatz des Lebens forderte. Zweitens Chaldejs intuitive Gabe, auch unter schwierigsten Bedingungen seinen künstlerischen Blick zu bewahren. Und drittens die Tatsache, dass Chaldej auf die revolutionären Erfahrungen russischer Film- und Fotokünstler zurückgreifen konnte.

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