Das Private in der Politik

© Christopher Morris

Ich kannte den türkischen Präsidenten Abdullah Gül nicht so gut, bevor ich Fotos von ihm machte. Mir war nur bewusst, dass er im Vergleich zu den früheren Präsidenten im Vordergrund stand und einer ist, der sich unter das Volk mischt. Dass ich Fotos von ihm nicht in der Hauptstadt Ankara im Palast Cankaya, sondern bei seiner Villa in Tarabya am Bosporus aufgenommen habe, wo er im Sommer arbeitet, war eine interessante Erfahrung für mich.

Ich hatte die Gelegenheit viele Präsidenten aus verschiedenen Ländern zu fotografieren. Ich habe acht Jahre im Weißen Haus fotografiert. Außerdem haben mich viele Medienagenturen in ihre Länder eingeladen, damit ich ihre Präsidenten fotografiere. Meine Arbeit besteht nicht nur darin, von Männern in Anzügen Fotos zu machen. Dies ist eigentlich eine total andere Arbeitsweise, sie braucht ein richtiges Feingefühl und sie wirft auch viele Schwierigkeiten auf. Für mich ist die Tatsache sehr interessant, dass die Persönlichkeiten, mit denen ich arbeite, die Möglichkeit haben über die Zukunft ihrer Länder zu entscheiden. Man muss viel Zeit mit den Präsidenten verbringen, um gute Arbeit zu leisten. Von Anfang an habe ich es vermieden, nur Menschen zu fotografieren, die sich die Hände schütteln; meine Idee war, zu einer qualitativen Fotoreportage zu gelangen, hinter der eine Geschichte steht. Das Schwierigste an der Sache ist, dass die Gesellschaft ein Bild hat von der Person, die man fotografiert. Deswegen ist es ziemlich schwierig, einen Weltpolitiker zu fotografieren.

 

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